<strong>Schuldgefühle und Demenz: Wie man als pflegender Angehöriger mit Schuldgefühlen umgehen kann</strong>

Schuldgefühle und Demenz: Wie man als pflegender Angehöriger mit Schuldgefühlen umgehen kann

Beitrag von Christine Dahm-Mathonet, Direktionsbeauftragte Info-Zenter Demenz

Die Pflege eines Menschen mit Demenz kann eine große Herausforderung sein. Wahrscheinlich erleben Sie ein extremes Spektrum an unterschiedlichen Emotionen, von Dankbarkeit, Erleichterung, bis hin zu Ungeduld, Machtlosigkeit und Schuldgefühlen.

Vielleicht haben Sie das Gefühl, dass Sie sich nicht gut genug um einen geliebten Menschen kümmern, oder es fällt Ihnen schwer, Hilfe anzunehmen. Diese Gefühle sind völlig normal und sehr verbreitet. Trotzdem : Schuldgefühle, Wut und Stress können schwer zu bewältigen sein, wenn man einen Menschen mit Demenz pflegt.

Es ist wichtig, Schuldgefühle zu erkennen und anzuerkennen, damit Sie sie in den Griff bekommen und verarbeiten können.

Vielleicht fühlen Sie sich schuldig, wenn…

1. … Sie wütend oder gereizt sind

Wenn Sie wütend und frustriert sind, kann es sein, dass Sie gelegentlich Wutausbrüche gegenüber der Person haben, die Sie pflegen. Vielen Pflegenden fällt es schwer, sich in dieser Situation zu verzeihen. Denken Sie daran, dass die Pflege sehr anstrengend sein kann und solche Reaktionen ganz natürlich sind. Wenn Sie sich etwas Zeit für sich selbst nehmen, um etwas zu tun, was Ihnen Spaß macht – z. B. lesen oder kochen -, kann das helfen, diese Gefühle zu mildern und dazu beitragen, dass Sie sich ruhiger und weniger gestresst fühlen. Oft kann es hilfreich sein, den Raum für eine Weile zu verlassen, damit sich die Dinge wieder beruhigen können.

2. … Sie ein schlechtes Gewissen darüber haben, wie Sie die Person vor der Diagnose behandelt haben

Manchmal haben Pflegende ein schlechtes Gewissen darüber, wie sie sich vor der Demenzdiagnose gegenüber dem Betroffenen verhalten haben, z.B. gereizt oder kritisierend. Sie konnten nicht wissen, dass Ihr Partner an Demenz erkrankt war, und Sie konnten nicht vorhersehen, was die Zukunft bringen würde. Eine Demenzerkrankung kann sich tiefgreifend auf das Verhalten einer Person auswirken, und ohne Beratung, Anleitung oder das Wissen über die zugrunde liegende Erkrankung sind diese Veränderungen oft nur schwer zu verstehen.

3. … Sie Zeit für sich selbst brauchen

Jeder muss ab und zu seine Batterien aufladen. Für pflegende Angehörige ist es sehr wichtig, sich eine Auszeit von der Pflege zu gönnen. Denn viele Pflegende stellen fest, dass sie ihre Aufgabe besser erfüllen können, wenn sie sich diese Auszeit gönnen und Dinge tun, die sie glücklich und positiv stimmen.

Wenn die Person, die Sie pflegen, nicht allein gelassen werden kann, versuchen Sie Lösungen zu finden, z.B. Freunde oder Verwandte zu fragen oder ambulante Pflegedienste hinzuzuziehen.

4.  … Sie sich schämen, Hilfe von anderen anzunehmen

Viele pflegende Angehörige haben das Gefühl, dass sie eigentlich ohne Hilfe auskommen müssten. Aber die Pflege eines Menschen mit Demenz verlangt oft eine 24-Stunden Aufmerksamkeit und kann sehr anstrengend sein.

Vielleicht können Sie wertvolle Zeit gewinnen, indem Sie eine Entlastungspflege in Anspruch nehmen, z. B. Hilfe im Haushalt, eine Tagesbetreuung oder ein Pflegeheim. Das gibt Ihnen mehr Energie und ermöglicht es Ihnen, die Pflege länger fortzusetzen.

Auch wenn die betroffene Person anfangs verärgert darüber sein mag, dass sich andere um sie kümmern, kann sie sich mit der Zeit mit der Idee anfreunden. Bei der ersten Erfahrung der Trennung fühlen sich die Pflegenden oft schuldig und können sich nicht entspannen, aber mit der Zeit können sie wahrscheinlich die Vorteile erkennen, die diese mit sich bringen kann.

5. … Ihr Angehörige(r) in ein Pflegeheim umziehen muss

Pflegende haben oft das Gefühl, dass der Umzug in ein Heim ein Vertrauensbruch ist. Sie denken vielleicht, dass sie die Person im Stich gelassen haben oder dass sie es länger hätten aushalten müssen. Vielleicht haben Sie der Person zuvor versprochen, sich immer zu Hause um sie zu kümmern, und fühlen sich nun aber gezwungen, dieses Versprechen zu brechen.

Denken Sie daran, dass diese Versprechen wahrscheinlich in einer völlig anderen Situation gegeben wurden. Der Umzug in ein Pflegeheim muss nicht bedeuten, dass Sie Ihre Rolle als Pfleger völlig aufgeben – es ist nur eine andere Art der Pflege, in einem Umfeld, das an die Bedürfnisse der Person vielleicht besser angepasst ist. Manche Pflegende stellen auch fest, dass ein Pflegeheim ihnen hilft, eine bessere Beziehung zu der betroffenen Person zu haben, da ihre gemeinsame Zeit etwas Besonderes, weniger stressig und mehr wie früher ist, bevor sie sich ständig um die praktischen Dinge kümmern mussten.

6. … Sie gemischte Gefühle über den Tod der erkrankten Person empfinden

Wenn ein Mensch mit Demenz stirbt, empfinden viele pflegende Angehörige zunächst ein Gefühl der Erleichterung. Dann schämen sie sich oder sind schockiert darüber. Seien Sie versichert, dass Erleichterung eine normale Reaktion sein kann. Viele pflegende Angehörige durchlaufen einen Großteil ihres Trauerprozesses bereits während der Krankheit, da sie jede kleine Verschlechterung der Person bemerken. Sprechen Sie mit anderen über Ihre Gefühle und denken Sie daran, dass es keine « richtige » Art und Weise gibt, zu trauern, wenn jemand, den Sie gepflegt haben, gestorben ist.

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